Exkursion CERN 2010

1. Tag

Genfer SeeAm 10.10.2010 machten sich um 10:10 Uhr 18 Karlsruher Stiftis gemeinsam mit Prof. Dr. Quast auf den langen Weg in Richtung Genf, um drei spannende Tage am CERN und in der UNO zu verbringen.

Am späten Nachmittag erreichte unser Autokorso den französischen Vorort Prévessin-Moëns, wo wir unsere Ferienhäuser bezogen. Gegen Abend nutzten wir dann den Feierabendverkehr, um schnellstmöglich ins Zentrum von Genf zu gelangen. Dort angekommen konnten wir uns anhand der Preistafel des hiesigen amerikanischen Gourmettempels McDonald’s schnell davon überzeugen, wirklich in einer der teuersten Städte der Welt unterwegs zu sein.

Nach einem kurzen Stadtrundgang mit Herrn Quast erkundeten wir in kleinen Gruppen die schöne Altstadt, in der man auf der Suche nach einer studentenfreundlichen Kneipe erst einmal an unzähligen Juwelieren und Pradaboutiquen vorbeikommen muss, ohne den ein oder anderen Rappen bei einem spontanen Rolexkauf einzubüßen. Nur die Genfer Ladenschlusszeiten und das begrenzte Büchergeld der Studienstiftung bewahrten uns wahrscheinlich vor unvermittelten Hamsterkäufen. Einige gönnten sich allerdings den privaten Luxus eines traditionellen Schweizer Käsefondues, während andere den Rest des Abends in einem blauen VW-Bus auf dem Hotelparkplatz auf die Hausschlüssel der Käseliebhaber warteten und sich die Zeit mit netten Kennenlernspielen vertrieben.

2. Tag

Trotz ersten Befürchtungen konnten beim Frühstück 13 Stühle fair auf 18 Stiftis verteilt werden und somit alle frisch gestärkt in den Tag starten. In Genf angekommen, machten wir zuerst einen ausgedehnten Morgenspaziergang durch die herbstlichen Parkanlagen des Botschaftenviertels, um uns anschließend vor dem Hauptgebäude des zweitgrößten UNO-Sitzes der Welt zu versammeln. Nachdem Herr Quast die nötigen Papiere gefunden und wir alle ohne Piepsen die Sicherheitsschleusen passiert hatten, konnte die Führung durch den neuen und den imposanteren alten Flügel des UNO-Komplexes beginnen. Hierbei erfuhren wir Interessantes zur Geschichte und Struktur der UNO, sahen bedeutende Sitzungssäle und bestaunten verschiedene Kunstgeschenke aus einzelnen Mitgliedsstaaten, die das gesamte Gebäude zu einer riesigen Kunstsammlung machen. Leider blieb uns der Zutritt zum größten Sitzungssaal im ,,Palais des Nations“ aufgrund einer laufenden Konferenz verwehrt. Dafür bestaunten wir allerdings den Plenarsaal der Menschenrechtskommission mit seiner beeindruckenden Decke, die vom iberischen Künstler Miquel Barceló als Geschenk Spaniens neu gestaltet wurde.

UN Plenarsaal

Nach einer rasanten Fahrt und anschließendem Sprint über das CERN-Gelände erbeuteten wir um 13:59 Uhr erfolgreich die letzten Essensportionen der dortigen Kantine. Daraufhin fanden wir uns in einem Seminarraum mit freiem Blick auf den Serverraum des Rechenzentrums ein, um uns von Herrn Quast in die Grundlagen der Teilchenphysik und die Arbeit des Large Hadron Collider (LHC) einführen zu lassen. Wer sich an dieser Stelle für Details interessiert, dem sei der gelungene LHC-Rap ans Herz gelegt: http://www.weltmaschine.de/news/03092008/.

Mit dem nötigen Wissen versorgt, wurden wir nun von Herrn Quast und seinen Doktoranden durch die heiligen Hallen der Protonenquelle des LHC und die Kontrollräume des CMS-Detektors geführt. Dort konnten wir nur erahnen welches gigantische, komplexe Technikwunder dort unter unseren Füßen rumort. In dessen Inneren wohl jedes Element der Erde mit äußerster Präzision mindestens einmal verbaut wurde und welches – man staune – ein ganzes Jahr mit einer kleinen Flasche Wasserstoffgas als Treibstoff für die Protonenquelle auskommt. Abgesehen natürlich von einem teilchenbeschleunigerüblichen Stromverbrauch, der dem einer Kleinstadt entspricht. Dieser Stromdurst führt übrigens dazu, dass der LHC in den kalten Monaten einen Winterschlaf einlegen muss. Denn, wenn in Frankreich massenhaft Elektroheizungen angeschaltet werden, steigen mit den Strompreisen auch die Stromkosten des LHCs ins Unbezahlbare.

CMS-KontrollraumLive konnten wir in den Kontrollzentren aktuelle Experimente im Beschleunigerring verfolgen und bekamen die dazu nötigen Informationen kompetent von Herrn Quast und seinen Kollegen vermittelt. Nachdem wir schließlich auch noch in Erfahrung gebracht hatten, welcher der vielen roten Knöpfe die riesige Detektorhalle hundert Meter unter uns in Sekunden mit Löschschaum füllt, war mit Einbruch der Dunkelheit auch der Letzte mit Wissen über Hadronen, Quadrupolmagneten und Synchrotronstrahlung erfolgreich gesättigt.

Den Abend ließen wir bei einem gemeinsamen Picknick mit französischem Käse und Wein gemütlich ausklingen, wobei sich mit den anwesenden Kollegen von Herrn Quast die Chance bot angeregt noch ungeklärte oder neu aufgeworfenen Fragen rund um das CERN und den Beruf des Physikers zu sprechen.

3. Tag

Unser letzter Tag in Genf begann mit einer Besichtigung der Testhalle für die Magnete des Teilchenbeschleunigers, die auch im Hintergrund des Gruppenbildes zu sehen sind. Diese monströsen Magnete – die es so in keinem Baumarkt zu kaufen gibt – halten den Teilchenstrahl in seiner Bahn, damit er sich nicht unerlaubt mit der Wucht eines landenden A380 aus seinem Rundkurs entfernt. Da das nicht allzu oft geschehen sollte, werden die Magnete ausgiebig getestet, bevor sie ihren Dienst im Beschleuniger antreten dürfen. Um die supraleitenden Eigenschaften der Magnete voll auskosten zu können, müssen diese mittels suprafluiden Heliums auf ihre Betriebstemperatur von rund 1,8 Kelvin gekühlt werden und sind damit sogar kälter als das Universum! Da bei unserem Besuch in der Halle gerade einige Magnete getestet wurden, bot sich uns die Möglichkeit – ohne zu frieren – einen Meter vom kältesten Punkt des Universums entfernt zu stehen und das Magnetfeld ausgiebig zu genießen. Wirklich beeindruckend!

Der anschließende Besuch des interaktiven CERN-Museums und des ,,Globes“, der die Entstehung des Universums eindrücklich erklärte, rundeten unsere Exkursion wunderbar ab. Nach dem Mittagessen auf der Terrasse der CERN-Kantine traten wir dann quarksgesättigt am frühen Nachmittag unsere lange Heimreise nach Karlsruhe an.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Herrn Quast und seinen Doktoranden für die interessanten Einblicke in die Teilchenphysik und die kompetenten Führungen durch das CERN bedanken. Ein großes Dankeschön geht auch an Delia Braun, Manuel Gabler, Sebastian Klaas, Andreas Messner und Stefan Miereis für die Organisation dieser gelungenen Exkursion. Für die großzügige finanzielle Unterstützung danken wir der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Gruppenbild CERN

Delia Braun, Sabrina Hanke, Johannes Ratajczak